Liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs,
beschenkt mit vielen Erlebnissen sind wir wieder zu Hause angekommen. Wir haben die vielen Facetten Afrikas erlebt. Traurige und sehr berührende Situationen. Sind in die pure Lebensfreude der
Menschen eingetaucht. Konnten faszinierende Landschaften und die Wildheit des Landes genießen, waren vielen Tieren auf der Spur. Unsere Wünsche und Träume haben wir in den weiten und klaren
Sternenhimmel geschickt. See you Africa!
Wir sind tief betroffen und sprachlos von den Ereignissen in Paris und glücklich, gesund und sicher daheim angekommen zu sein. Gestern waren wir noch in Paris unterwegs. Unser ganzes Mitgefühl
gilt den Angehörigen der Opfer.
Unser Flug wurde auf Grund des Lufthansastreiks gecancelt. Wir haben Glück und können mit einer anderen Maschine über Paris nach Hause fliegen. Nachmittags sind wir nochmal in Benoni unterwegs. Es ist heiß und laut. Taxibusse hupen, aus Boxen dröhnt Musik zu denen zwei Jungs tanzen. Ein Jeep mit Dachzelt fährt an uns vorbei, dem wir sehnsüchtig nachschaun. Afrika, wir kommen wieder!
Als wir heute bei Kids Haven ankommen werden wir herzlich von den Jungs und Mädels empfangen. Alles hier ist uns vertraut und nach den wundervollen Tagen draußen sehen wir wieder die andere Seite Afrikas bei den Straßenkids. Hier bei Kids Haven haben sie eine Chance auf ein Leben abseits der Straße. All die Schicksale und Geschichten haben Gesichter für uns. Mary, 13 Jahre, traumatisiert, vergewaltigt, macht nach 2 Jahren auf der Straße die ersten Schritte in ein neues Leben. Der kleine 5-jährige Ron ist nach einer Hirnhautentzündung Epeleptiker und hat mehrfache Behinderungen. Keine Institution nimmt ihn auf. Immer wieder stürzt er und verletzt sich am Kopf. Zuhause werden wir als erstes einen Helm für ihn besorgen und per Express nach Afrika schicken.
1992 hat Moira Simpson (61) Kids Haven gegründet. Nach dem Medizin Technik Studium hat die Mutter von drei Kindern Sozialpädagogik studiert. Kämpfte gegen das Apartheids-System und hat anfangs noch illegal Kids von der Straße geholt. Niemand kümmerte sich um Kinder und Jugendliche, die auf den Straßen lebten, hungerten und dringend medizinische Versorgung brauchten. "Die Kinder haben mich gefunden" sagt Moira und lächelt. Heute leitet sie das größte Straßenkinderheim Südafrikas und ist noch lange nicht müde all ihre Kraft gegen soziale Ungerechtigkeit einzusetzen.
Unser letzter Stopp vor der Rückkehr nach Jo'burg war der Golden Gate Highlands National Park in Freestate. Hier ist der Name Programm. Morgens und abends leuchten die Felsformationen in einem goldenen Licht. Auch wenn der Park bescheidener ist als andere gibt es allerhand zu entdecken. Zum Beispiel beim Frühstück den Balztanz und das Liebesspiel der Kapwebervögel. Paviane patrouillieren uns und wir sind immer dabei unsere Lebensmittel zu bewachen. Gut ausgezeichnete Hikingtouren führen an schöne Aussichtspunkte. Wie jeden Abend brennt unser Feuerchen und wir sitzen schon etwas wehmütig zusammen. Die Geräuschkulisse ist spannend. Grillen, Vogelschreie, flatternde Fledermäuse und immer wieder das Keifen der Paviane sind zu hören.
Nach einer abenteuerlichen Fahrt auf Holperpisten haben wir Cobham im Ukhalamba- und Drakensberge Park erreicht. Schon abends am Feuer hören wir ein Heulen, auch immer wieder nachts. Zwei Rudel Schabracken Schakale sind um uns herum am Fuß der Drakensberge. Am nächsten Morgen führt uns der Sani Pass Kurve für Kurve und Höhenmeter für Höhenmeter in eine ganz andere Welt. Das kleine Königreich Lesotho liegt auf einer Hochfläche in 1000 bis über 3000 Meter Höhe. In den Tälern und Bergen schlängeln sich Flüsse durch ein ehemaliger Dinosaurier Gebiet. Immer wieder begegnen uns Menschen auf Ponys eingehüllt in Decken und mit den typischen Spitzhüten aus Gras. Unglaublich wie mit Kuhgespannen die steilen Ackerflächen bearbeitet werden. In einem kleinen Bed and Breakfast in Mokothlong finden wir schnell Kontakt zu den Leuten hier. Da wir die einzigen Gäste sind wird ein Schaf geschlachtet, das wir abends essen. Die Leber gab es dann zum Frühstück. Beim Spaziergang im Dorf erzählt uns ein junger Lehrer von den Problemen auf dem Land. Er hat studiert und jetzt keine Arbeit. Als Ehrenamtlicher unterstützt er die Highschool einige Dörfer weiter. Weiß nicht, wie er seine kleine Familie versorgen kann. Und trotzdem jammert er nicht, gibt die Hoffnung auf einen Job in der Stadt nicht auf. Die Abendsonne taucht die Berge in ein ganz besonderes Licht. Nachts liegt die Temperatur unter dem Gefrierpunkt und ein faszinierender Sternenhimmel spannt sich über das Land.
Der Weg führte uns weiter Richtung Ostküste und KwaZulu-Natal. Wir sind dort in die Zulu Traditionen eingetaucht und hatten eine klasse Zeit am Indischen Ozean. Im iSimgaliso Wetland Park waren wir Krokodilen und Nilperden auf der Spur. Der Wetland Park ist eine Welterbestätte der UNESCO und erstreckt sich über 20 km von der mosambikanischen Grenze bis nach Maphelane am Südende des Lake St. Lucia. Fünf unterschiedliche Ökosysteme findet man hier. Korallenbänke, Strände, Seen, Feuchtbiotope, Waldgebiete und Küstenwälder. St. Lucia und Richards Bay sind freundliche Küstenorte in denen es erstaunlich ruhig war, in der Hauptsaison ist das bestimmt anders.
Das Königreich Swasiland beeindruckt uns mit einer abwechslungsreichen Landschaft. Berge, schmale Flußtäler, Steppen und landwirtschaftliche Flächen wechseln sich ab. Überall werden wir freundlich, offen empfangen und die Menschen lassen uns an ihrem Leben teilhaben. Unsere erste Station war das Shewula Mountain Camp mit einer grandiosen Aussicht, leckerem Essen und gemütlichen landestypischen Bienenkorbhäusern. Eines der ersten Ökotourismusprojekte im Land. Menschen aus dem Dorf arbeiten im Camp und die Lebensmittel kommen von den Bauern ringsum. Leider mussten wir das Camp früher als geplant verlassen. Der Wald brannte und die Flammen waren schon in der Nähe des Camps. Nur wenige Kilometer weiter haben wir dann im Mbuluzi Game Reserve unserer Zelte aufgeschlagen. Morgens hat uns Tal Fineberg mit seiner Hündin Kira besucht. Er ist Manager des privaten Wildreservats und der dort angesiedelten Forschungsstation. Zusammen waren wir auf Spurenjagd und er hat beim Kaffee von seiner Arbeit und dem Kampf gegen die Wilderei erzählt. Heute sind wir im Ezulwini Valley im Legends Backpackers gelandet, absolut gemütlich und empfehlenswer!
Vier Tage haben wir den Kruger Nationalpark von Nord nach Süd erlebt. Punda Maria, Letaba, Satara und Crocodile Bridge waren die Camps. Ganz bewusst haben wir keine organisierte Tour gebucht. Sondern waren auf eigene Faust abseits der befestigen Straßen unterwegs. Neben den "Big Five" haben wir allerhand entdeckt. Viele andere Säugetiere, faszinierende Vögel, kleine giftige Krabbeltierchen und verschiedene Ökosysteme. Es waren kaum Leute unterwegs und in den Camps haben wir meist Dauercamper getroffen. Seit die Grenzen im Osten nach Mosambik und im Norden nach Zimbabwe geöffnet sind, hat sich der Lebensraum der Wildtiere um über 16.000 qkm erweitert. Insgesamt umfasst der Great Limpopo Transfrontier Park zusammen mit dem Kruger National Park ein Wildschutzgebiet von über 100.000 qkm. Somit ist das Tierreservat von der Fläche fast so groß wie Holland, Belgien und die Schweiz. Ein herrliches Fleckchen Erde!
Nach vielen Stunden Fahrt gen Norden kamen wir auf Schotterstrecken im Dorf Shedza in der Region Venda an. Wir sind zweite Nächte im Dorf und morgens beim Frühstücl toben Grünmeerkatzen um uns herum. Mpho hat hier bis er 10 war gelebt und seine Familie nach vielen Jahren wieder getroffen. Auch der Besuch in Mphos Schule, der Radzilani Primary School, war berührend. 353 Kinder werden hier von 11 Lehrern unterrichtet. Schulleiterin, Lehrer und auch die Köchin haben sich an Mpho erinnert. Für die Schüler war unser Besuch spannend, weil ganz selten Weiße hier her kommen und wir wurden mit Fragen gelöchert.
Wir verabschieden uns für zwei Wochen von den Kids und gehen ab jetzt mit dem Jeep auf Tour, machen aber vor dem Abflug noch einen Besuch im Heim. Innerhalb von wenigen Tagen sind uns die Jungs und Mädels richtig ans Herz gewachsen. Jo'burg ist laut und wir freuen uns jetzt auf den Rückzug aus der Stadt. Nach der Autoübernahme fahren wir Richtung Venda in ein Dorf, in dem Mpho aufgewachsen ist.
Mit Sam (44) waren wir heute bis in den Abend im township Daveyton unterwegs. 60 % der Kinder im Heim kommen von hier. Er war lange Streetworker, ist jetzt 2nd Director von Kids Haven, hat die Sozialstruktur im township analysiert und arbeitet an sozialen Projekten in der Kommune. Ohne ihn wären wir hier nie und nimmer abends unterwegs gewesen. Was wir sehen ist einerseits bedrückend. Menschen, Familien und Kinder leben in Wellblechhaufen. Verwahrloste Kids sitzen am Straßenrand, Müll überall. Andererseits sehen wir, wie eine Mutter liebevoll vor dem Haus mit ihren Kindern spielt, lacht und singt. Besuchen den Kindergarten, der sein eigenes Gemüse anpflanzt und freuen uns über die Schule, die ein Schweizer hier etabliert hat. Sam fährt mit uns an den Rand des townships. Alles ist zugemüllt. Und mitten drin eine eingezäunte Gartenfläche mit einer Gerätehütte und einer Schutzplane. Hier wird sein Herzensprojekt, das er viele Jahre mit entwickelt hat, Wirklichkeit. Leute aus dem township werden Gemüse anpflanzen und Hühner züchten. Seine Vision ist, dass Lebensmittel von den Menschen hier selbst produziert und vom township gekauft werden. Und die Idee der Selbstversorgung Früchte trägt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es braucht Sponsoren und helfende Hände vor Ort. In dieser Woche werden mehr als 30 Helfer täglich den Müll neben den Äckern wegräumen - dann kann mit den ersten Anpflanzungen begonnen werden.
Am Nachmittag haben wir das Kids Haven Village im Mackenzie Park besucht in dem 96 junge Menschen mit ihren Betreuern in Wohngruppen leben. Mpho trifft wieder viele bekannte Gesichter -
Kids und Betreuer. Diese werden hier und im Centre mit 'Mum' und 'Uncle' angesprochen. Mädels planschen im Pool, John quält sich mit Mathehausaufgaben, in der Gruppe Sugar Bush kocht Carol mit
Joy und es duftet lecker aus der Küche. Es dauert nicht lange und wir toben mit einer Gruppe im Garten, spielen und erkunden ein Vogelnest. Für die Kids ist das Village Familie und
Heimat.
Während die Jungs im Kids Haven Centre Hof Fußball spielen geht Mpho mit uns auf die Straße. Keine 300 Meter vom Heim ist eine alte Ruine, in der viele Kinder leben. Sie liegen lethargisch auf dreckigen Matratzen oder sitzen rauchend in der Sonne, die meisten mit Drogen betäubt. Einige von ihnen waren öfters bei Kids Haven, sind immer wieder zurück auf die Straße. Konnten die Regeln nicht einhalten und wollten ihre Freiheit. "Die Straße ist wie ein Magnet" sagt Mpho, der auch einmal abgehauen ist. Er konnte zurück und hat sich nach zwei Jahren auf der Straße für ein Leben bei Kids Haven entschieden.
To be free is not merely to cast off ones chaines, but to live in a way of respect and enhances the freedom of others. (Nelson Mandela)
Mit Mphos "Ersatzfamilie" waren wir heute in Johannesburg unterwegs. Sam dem Betreuer und Estelle, die sich nicht nur mit Mathenachhilfe um ihn gekümmert hat. Im Apartheidmuseum und in Soweto. Unfassbar, was hier bis 1994
den Menschen, die um IHR Land und IHRE Freiheit kämpften, angetan wurde. Über die Diskriminierungen in Afrika eine Dokumentation zu sehen oder Artikel zu lesen ist das eine. An den Plätzen
zu stehen und mit Zeitzeugen zu reden ist das andere. So auch in Soweto, dem größten Township der Welt in dem geschätzt rund 3 Millionen Menschen leben. Wir waren dort am Platz der
Studentenrevolution 1976 und mitten im Volk. Der Abend in Soweto hat uns die krassen Gegensätze Südafrikas gezeigt. VIPS weden mit Helis eingeflogen, einsame Kids sitzen hungernd auf der
Straße. Partygäste fahren im Ferrari vor während um die Ecke ein Mann liegt von dem wir nicht wissen, ob er noch lebt. Wir sind tief berührt, der Tag ging unter die Haut.
Der Abend mit Sam war interessant und Braai ist einfach nur lecker. Wir haben viel über die Arbeit von Kids Haven gehört. Teams mit Sozialarbeitern und Polizisten bringen die Kinder in die Station. Sam war Mphos Streetworker und Lehrer. In den ersten Monaten wird die sogenannte Bridging School besucht. Die Meisten, die hier ankommen, kennen keine Tagesstruktur, sind oft traumatisiert vom Leben auf der Straße. Es gilt hier einen Rhythmus in den Tag zu bringen, regelmäßig zu essen, Basishygiene zu lernen. Vor allem aber darum, wieder Vertrauen in Erwachsene aufzubauen, Kind sein dürfen, Werte vorgelebt zu bekommen, Liebe und Zuneigung zu erfahren. Kriminalität, Drogen und Gewalt sind allgegenwärtig. Alles ist rund um das Haus vergittert, auch die einzelnen Bereiche innen. Das fühlt sich für uns etwas beklemmend an. Aber die vielen lachenden Gesichter vom Team und den Kids geben schnell wieder ein gutes Gefühl.
Heute Vormittag sind wir in Benoni, einem Vorort von Johannesburg und im Kids Haven Centre, angekommen. Haben mit den Kids gegessen. In zwei Stationen sind 182 Straßenkinder und Jugendliche
untergebracht. Hier geht's aber mal richtig ab! Wir schlafen direkt im Haus in einem der vielen Zimmer. Heute Abend lädt uns Sam, Mphos ehemaliger Betreuer, zu Braai ein - afrikanisches
BBQ.
Zwischenstopp in Frankfurt. Kurz nach 22 Uhr fliegen wir los in Richtung Johannesburg. Momentan liegt die Temperatur dort bei knapp 30 Grad. Morgen früh gegen 9 sind wir dann in Südafrika.
Wir besuchen das Straßenkinderprojekt Johannesburg in Kooperation mit dem Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang e.V. Schon seit vielen Jahren sind wir Partner bei sozialen Projekten, werden nach unserer Reise über unsere Eindrücke aus Afrika in Backnang und Welzheim berichten sowie ein Spendenkonto einrichten.
So schaut unser Jeep aus, mit dem wir Südafrika, Lesotho und Swasiland erkunden werden. Somit sind wir unabhängig und können uns treiben lassen. Eigentlich wollten wir mit Rucksack, Zelt und den öffentlichen Verkehrsmitteln durch's Land reisen. Das bedeutet aber auch (oft tagelange) Wartezeiten auf Bus, Bahn & Co und eine Abhängigkeit bei den Aufenthalten in den Nationalparken. Jetzt haben wir alle Freiheiten - gut so!
Unser Freund Mpho Singane begleitet uns. Er lebt und arbeitet in Welzheim, war Straßenkind in Johannesburg. Bis Kids Haven ihm eine neue Zukunft geschenkt hat. Dann ist er mit einem Stipendium nach Deutschland gekommen und momentan im Eins und Alles
in der Ausbildung als Heilerziehungspfleger. Wir erzählen Mphos Geschichte, besuchen die Orte an denen er auf der Straße gelebt hat, lernen die Arbeit von Kids Haven kennen und werden seine Familie treffen. Danach geht es mit dem Jeep auf Tour. Auf
die Wildnis Südafrikas sind wir gespannt und wir sind stolz auf unseren Begleiter. Ein weites Land, wilde Tiere, Spurenjagd, Sternenzauber, Nationalparks, eintauchen in ursprüngliche
Kulturen...
...auf unserem Südafrika-Blog. Flüge und Jeep sind gebucht. Am 22. Oktober 2015 geht es los und wir planen gerade unsere Reise. Damit startet unser Südafrika-Blog, in dem wir auch von unterwegs, so oft es geht, für Sie und Euch berichten. Über Nachrichten freuen wir uns.